Spaziergänge

Ich habe zwischen November 2021 und September 2025 in sehr unregelmässigen Abständen fünfzig kurze und längere Wanderungen unternommen, zuerst von meinem Wohnort aus nach Osten, zum Licht, nach dem Prinzip ex oriente lux, dann von Bern aus nach Westen, später von meinem Wohnort aus nach Süden, von Bern aus nach Norden und schliesslich von Grenchen aus nach Südwesten, immer etappenweise in einer bestimmten Himmelsrichtung, in einem engen Korridor von etwa einem Kilometer, der sich manchmal etwas ausgeweitet hat, wenn es keinen anderen Weg gab.

Mein Ziel war es, die Ästhetik der Durchschnittsschweiz zu erleben, mir ein Bild zu verschaffen der natürlichen oder besiedelten Landschaft ausserhalb der üblichen Wanderrouten. Ich bin also bewusst nicht zu landschaftlichen oder kulturellen Höhepunkten hin gewandert. Ich war dann aber überrascht von der Schönheit, die ich trotzdem angetroffen habe, und bin überzeugt, dass jeder Mensch ähnliche Erfahrungen der Schönheit machen kann, der sich in ähnlicher Weise entschliesst, von seinem Wohnort aus zu Fuss zu gehen, und der dabei die Augen offenhält. Ich hatte jeweils eine leichte Kompaktkamera mit gutem Zoom bei mir, habe einige Bilder gemacht und direkt nach jedem Spaziergang einen Bericht verfasst, der beschreibt, welche Wege ich genommen habe. Verständlich sind die Berichte, wenn man sie auf Karten der Landestopographie verfolgt, die ja auch online verfügbar sind. Allerdings ist zu beachten, dass die Karten sich verändert haben, auch die Höhenangaben. Beispiel: Punkt 1053 im Spaziergang 14 liegt inzwischen einen Meter höher, Punkt 1269 im Spaziergang 21 ist inzwischen Punkt 1270 geworden und so weiter (mit der Option Zeitreise hat man Zugriff auf frühere Karten).

Aufgrund der genannten Bedingungen bin ich auch auf Strassen mit Autoverkehr gegangen, und obwohl ich die Schönheit nicht suchte, zeigte sie sich doch manchmal unübersehbar am Strassenrand.

Ich habe mich fast immer an die Wege und Strassen gehalten, die auf den Karten der Landestopographie eingezeichnet sind, und ging kaum je querfeldein durch das Gelände.

Die Texte erklären meinen genauen Weg. Es macht wenig Sinn, sie zu lesen, ohne dem Weg in der Landschaft nachzugehen oder zumindest auf der Karte zu verfolgen. Die Berichte habe ich jeweils unmittelbar nach jedem Spaziergang geschrieben. Wenn ich auf zwei Spaziergängen ähnliche Gedanken hatte, finden sich in den Berichten Gedanken, die sich wiederholen. Die Bilder hingegen, die wiederholen sich nicht. 

Oft war ich auf diesen Wanderungen allein, manchmal waren wir zu zweit.

Die Spaziergänge waren ursprünglich meine Reaktion auf die Covid-Pandemie. Abstand halten, hiess es. So suchte ich menschenleere Orte und fand sie, auch im dicht besiedelten Mittelland. 

Ich bin den Behörden der Schweiz bis heute dankbar, dass sie keine Einschränkungen der Bewegungsfreiheit im Freien erliessen wie andere europäische Staaten. Der Mensch ist mit zwei Beinen geboren. Das Gehen ist die natürlichste Bewegung des Menschen, es ist vermutlich gesünder als viele Sportarten. Rousseau, Goethe und Nietzsche sahen einen Zusammenhang zwischen Gehen und Denken.

Einige Wanderungen sind vorläufig zum Stillstand gekommen, an der Landesgrenze, weil es im Ausland etwas schwieriger wird, am gleichen Tag mit dem öffentlichen Verkehr heimzukehren, oder vor einer Bergetappe, für die vielleicht eine Übernachtung in einer Berghütte einzuplanen wäre. Andere Wanderungen setze ich in lockeren Abständen auch im Jahr 2026 fort.

Spaziergänge 1 bis 10

Spaziergänge 11 bis 20

Spaziergänge 21 bis 30

Spaziergänge 31 bis 40

Spaziergänge 41 bis 50